Pflegende Angehörige im Fokus: Unterstützung durch Anstellung

Die Spitex Knonaueramt war in Aeugst am Albis zu Gast und informierte über ihr Angebot, pflegende Angehörige anzustellen. Neben Entlöhnung stehen Entlastung, Beratung und Anerkennung im Zentrum.

Die Spitex Knonaueramt zu Gast in Aeugst. Im Bild v.r.n.l.: Ruth Bieri, Claudia Tschuor, Gisèle Stoller, Fabio Borer, Trudy Baer, Sabrina Grampp. Foto: Mona Martin

«Die 62-jährige Frau Keller arbeitet drei Tage die Woche. Als ihr Mann erkrankt, übernimmt sie zunehmend dessen Betreuung. Es wird immer mehr.» Mit diesem fiktiven Beispiel startete die Spitex Knonaueramt in ihren Vortrag zu pflegenden Angehörigen im Gemeindezentrum Aeugst am Albis. Gemeinderätin Soziales Gisèle Stoller hatte am letzten Donnerstag im März im Rahmen der Veranstaltungsreihe «60+» eingeladen. 

Wenn die Belastung zu gross wird

«Die Veränderungen geschehen leise und schleichend», erzählte HR-Chefin Sabrina Grampp. Oft antworteten Betroffene auf die Frage nach ihrem Befinden: «Ich bin einfach nur müde.» Und stössen dabei – auch angesichts finanzieller Einbussen – an ihre Belastungsgrenzen.

Dort setzt die Anstellung pflegender Angehöriger an. Bei der Spitex Knonaueramt besteht diese Möglichkeit seit Januar 2025. Die sogenannten PAGH erhalten 38 Franken pro Stunde sowie fachliche Begleitung durch die zuständige Pflegefachfrau. Zudem übernimmt die Spitex die Kosten für den Pflegehilfekurs des Schweizerischen Roten Kreuzes, der innerhalb eines Jahres absolviert werden muss.

Lohn, Beratung und Anerkennung

Neben der finanziellen Entlastung gehe es auch um Anerkennung und darum, die oft unsichtbare Leistung sichtbar zu machen, betonte Pflegeexperte Fabio Borer. Unterstützt würden die Angestellten zudem im Alltag, etwa mit praktischen Tipps zum Transfer vom Bett zur Dusche oder bei der Organisation von Entlastungsangeboten. So entstünden Freiräume, um sich zu erholen, soziale Kontakte zu pflegen und die Belastungen des Pflegealltags langfristig besser zu bewältigen.


Das Angebot richtet sich aktuell an Personen zwischen 18 und 74 Jahren mit Schweizer Staatsbürgerschaft oder Aufenthaltsbewilligung B oder C. Das Publikum stellte Fragen zur Altersgrenze, Kündigungsregelungen sowie zum Vorgehen beim Versterben der betreuten Person. Eine Weiterarbeit als Pflegehilfe bei der Spitex Knonaueramt könne beispielsweise eine Möglichkeit sein, erklärte Fabio Borer. Man lasse niemanden allein.

Abgrenzung zu privaten Anbietenden


Die Spitex erfüllt mit dem Angebot einen öffentlichen Auftrag der Gemeinden und arbeitet nicht gewinnorientiert. Qualität stehe stets zuoberst, betonte Sabrina Grampp. Ziel sei es, Angehörige zu entlasten und gleichzeitig Kosten im Gesundheitssystem zu dämpfen. Angesichts des Fachkräftemangels seien pflegende Angehörige eine unverzichtbare Stütze, ergänzte Borer.


Private Organisationen sind aktuell viele auf dem Markt und auch sie stellen pflegende Angehörige an. Die Konkurrenz durch diese privaten Spitex-Organisationen beschäftigte die Anwesenden – und davor bereits die Gemeinden – grundsätzlich. Während private wirtschaftlich rentable Einsätze auswählen könnten, ist die öffentliche Spitex im Auftrag der Gemeinden gesetzlich verpflichtet, die Versorgung flächendeckend sicherzustellen, erklärte Gemeinderätin und Gastgeberin Gisèle Stoller. Für den Wettbewerb bedeute das eine ungleiche Ausgangslage.
Das Abschlussvotum der Referierenden war klar: «Nehmt die eigene Belastung ernst und sucht rechtzeitig Unterstützung.»

Alles zur Anstellung pflegender Angehöriger bei der Spitex Knonaueramt finden Sie hier finden Sie hier.
Dieser Artikel erschien am 14.04.2026 im Affolter Anzeiger auf S. 3.: E-Paper 14.04.202